Herbert Bruhn (Juli 2013)

Jugendliche im Aufruhr

Was wundern wir uns:

 

Die Unruhe der Jugendlichen in Altona ist eine normale Reaktion auf das, was mit Jugendlichen gemacht wird: Es geht ihnen die Galle über.  Die Emotionen schlagen hohe Wogen.

 

Gut, die Jugendlichen waren im Alter zwischen 12 und 16 Jahren immer schon unbequem. Jetzt findet aber etwas anderes statt: Wir müssen zur Kenntnis nehmen:

·         Es sind nicht mehr die Kinder aus gutem Eternhaus, die die Gesellschaft verändern oder sogar kaputtmachen wollen, weil sie ihre Eltern doof finden (wie dies von manchen Gruppen in den 1960er beabsichtigt war).

·         Es ist nicht der Aufstand von Kindern aus der intellektuellen Schicht, die Mord und Terror planen, weil sie Marx und Lenin gelesen und auf ihre Weise interpretiert haben (die Terroristen der 1970er Jahre).

·         Es ist auch nicht das saturierte Verhalten von Jugendlichen aus den 1980er und 1990er Jahren, denen das Fruit of the Loom T-Shirt, die Adidas Schuhe und die Ray Ban Brille nicht ausreichte und die deshalb hier und da mal eine Schaufensterscheibe eingeschlagen haben oder am 1. Mai zu sogenannten „Chaos-Tagen“ anreisten.

 

Eine gesunde Gegenreaktion:

 

Es findet hier etwas statt, was ich als gesunde Gegenreaktion bezeichnen würde: Gesunder Widerstand gegen die Nachlässigkeiten einer Geldelite mit Kindern in den Othmarscher Gymnasien, gegen die Unfassbarkeit der schwülstigen Sonntagsreden von Sozial- und Bildungspolitikern, die per Copy&Paste Doktorarbeiten aus dem Internet erstellen, gegen die Gemeinheiten von Journalisten, wenn es um die Rechtschreibfähigkeiten von  Schulabgängern geht.

 

Pädagogen und Psychologen wissen, dass das Alter ab 12 bis 13 Jahren von der Entwicklungsaufgabe dominiert ist, erwachsenes Verhalten zu lernen und zu üben, sich in die gesellschaftlichen Zusammenhänge hineinzufinden und dafür zu kämpfen, dass man von anderen Erwachsenen ernst genommen wird. Um zu üben, wie man sich in der Erwachsenenwelt durchsetzt, reichte es aus, kleine  verbotene Dinge zu tun: Vor 150 Jahren zum Beispiel ruckzuck über den Zaun und dem Nachbarn eine Birne geklaut.

 

1963 hat es noch ausgereicht, wenn man seltener mehr alle zwei Wochen zum Frisör ging und Widerstand gegen das Ausrasieren des Nackens äußerte. Und man versuchte, am Sonntag dieselbe Hose anzuziehen wie während der Woche, weil die Bügelfalte der Sonntagshose knitterte.


Heute haben die Großväter die schulterlangen Haare trotz der Stirnglatze. Und am Sonntag ziehen sie ihre Lederjacke mit der aufgenähten roten Zunge an.

 

Wir werden es erfahren:

 

Den Jugendlichen reicht es nicht mehr,  einmal im Jahr ein Rockfestival im Stadtteil zu haben, bei dem sie laut mitgrölen dürfen. Sie sehen auch wenig Erwachsenenverhalten, dem sie nacheifern oder gegen das sie Widerstand leisten können.

 

Wie opponiert man gegen Erwachsene, die sich krumm machen, um von ihren Arbeitgebern bei der nächsten Entlassungswelle nicht erfasst

zu werden. Oder gegen solche, die es fatalistisch demütig hinnehmen, dass ihre Arbeitsgeber Ausbildung und Bildung zurückschrauben, obwohl die Firmen mit Steuergeldern gepampert werden und sich die Banken jährlich mit Milliardenbeträgen dafür belohnen lassen, dass sie Staaten ausrauben und Arbeitsplätze zerstören.

 

Hamburger Jugendliche sind in ihrem Protestverhalten bescheiden: ein paar Rangeleien mit der Polizei – hier und da eine böse Beleidigung (Scheißbulle). In Frankreich haben sie dann immer gleich ein paar Autos umgeworfen und angezündet. Dazu braucht man sie nicht zu überreden - relative freiwillig fallen Jugendlichen auch grauenhaftere Dinge ein, wie wir aus den Kinderarmeen in Zentralafrika berichtet bekommen haben. Mir stehen die wenigen übrig gebliebenen  (manchmal zu langen) grauen Haare zu Berge, wenn ich daran denke.

 

Die Haare beginnen sich aber zu kräuseln, wenn ich sehe, wie gedankenlos akzeptiert wird, dass die Schulen den Druck erhöhen,  um mit weniger Lehrkräften die fremdgesetzten Zentralprüfungen vorbereiten zu können. Entsetzlich, wie willfährig die Kollegen und Kolleginnen in den Universitäten kreative Lerninhalte aufgegeben haben und Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitslisten in der Kontrolle zu behalten versuchen, während ihre Studierenden die meist besseren Powerpoint-Darstellungen von Kollegen aus Bayern durchblättern.

 

Wer hinterfragt eigentlich irgendwann mal,

·         ob die Kurvendiskussion oder die  Konstruktion eines Dreiecks bei gegebenem Umkreis und zwei Winkeln wesentliche Inhalte für den gebildeten Bürger sind,

·         ob Blockflöte und Trinkhalmoboe wesentliche Merkmal unserer Musikkultur sind oder

·         ob Kenntnisse vom Bereich der imaginären Zahlen das Sozialverhalten der Menschen wesentlich verbessert?

 

Die Trinkhalmoboe

Länge der Unterrichtseinheit:

Eine Wochenstunde

 

Didaktisches Ziel:

Verdeutlichung des Prinzips der Tonerzeugung bei einem Musikinstrument mit einem Doppelrohrblatt

 

Stundenablauf, handlungsorientiert, Uhrzeit:

8.00 Begrüßung

8.02 Singen einer fröhlichen Liedes

8.12 Austeilen von Strohhalmen

8.13 Schere aus der Federmappe nehmen, Strohhalm  in die linke Hand, Schere in die rechte Hand

8.14 Schnipp, schnipp.

8.15 bis  12.45 Quäääk

 

Weiterführende Fragestellungen:

Was ist ein Prinzip, was ist ein Ton, was ist Musik?

[Wird meist mit einem einschmeichelnden Stück von Ligeti oder Stockhausen beantwortet]